Wer finanziert die Rettung der Regenwälder?
Ohne eine wesentliche Verstärkung der Anstrengungen werden die verbliebenen Regenwälder in wenigen Jahrzehnten der Vergangenheit angehören – damit werden sich sowohl das Risiko eines katastrophalen Klimawandels als auch Armuts- und Konfliktrisiken dramatisch verschärfen und es wird ein substantieller Teil der biologischen Vielfalt verloren gehen. International zeichnet sich daher ein Konsens ab, dass die Entwaldungsrate nach Möglichkeit bis 2020 halbiert und der Waldsektor bis 2030 CO2-neutral gestellt werden sollte. Selbst weniger ambitionierte Ziele werden substantielle Investitionen nach sich ziehen: So würde eine Halbierung der Treibhausgas-Emissionen des Waldsektors bis 2030 nach Expertenschätzungen jährlich ca. 17 - 30 Mrd. USD kosten. Die Finanzmittel müssen – zumindest weitestgehend – von den alten Industrienationen aufgebracht und in den Ländern mit tropischen Wäldern investiert werden.
Wie kann die Rettung der Regenwälder finanziert werden?
Im Rahmen der Klimadiskussion wird dieses Thema unter den Oberbegriffen vermiedene Entwaldung (Avoided Deforestation, AD) und REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) erörtert. Als mögliche Finanzierungsmechanismen für AD bzw. REDD werden vier Optionen diskutiert:
Allgemein scheint sich der Konsens durchzusetzen, dass die benötigten, substantiellen Finanzmittel am besten durch eine Kombination aus öffentlichen und privaten Quellen zu beschaffen sind.
Artikel: Wald und Finanzen
Autoren: Georg Schattney und Juliane von Stockhausen
© Business Communications Consulting, Frankfurt
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Folgende Institutionen und Webseiten bieten erste Informationen zum Thema Wald und Finanzen:
Forest Carbon Partnership Facility (FCPF)
Mit der von der Weltbank geleiteten Forest Carbon Partnership Facility (FCPF) wurde der erste finanzielle Mechanismus geschaffen, um Entwicklungsländer für den Erhalt ihrer Wälder zu belohnen (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, REDD). Der auf der Klimakonferenz auf Bali vorgestellte Fonds speist sich aus freiwilligen Beiträgen der Industriestaaten, die in erste REDD-Pilotprojekte investiert werden. Die FCPF stellt in übersichtlicher Art und Weise ihre Funktionsweise dar, bietet Hintergrundinformationen zum Thema Wald und Klima sowie Informationen zu Veranstaltungen.
Das Global Canopy Programme ist ein weltweiter Zusammenschluss von wissenschaftlichen Instituten, die sich mit der Erforschung der Biosphäre der Baumkronen auseinandersetzen. Ziel des Programms ist es, das Angebot und den Wert der von den Wäldern erbrachten Ökosystem-Dienstleistungen zu erforschen. Die Global Canopy-Webseite bietet einen sehr guten Überblick über finanzielle und politische Instrumente zum Waldschutz (REDD, PINC) und demonstriert anhand einiger Fallstudien die konkrete Umsetzung solcher Projekte.
Forest Trends ist eine international tätige Non-Profit-Organisation, deren Ziel es ist, die gesellschaftliche Wertschätzung der Wälder voranzutreiben. Indem Ökosystem-Dienstleistungen von Wäldern ein Marktwert zugewiesen wird, sollen Waldschutz und nachhaltige Forstwirtschaft gefördert werden sowie die Existenzgrundlage der Völker verbessert werden, die von und in Wäldern leben. Forest Trends unterstützt Projekte und Unternehmen, die an der Entwicklung eines solchen Marktes beteiligt sind, stellt Verbindungen zwischen den einzelnen Akteuren (Investoren, Produzenten und Gemeinden) her und arbeitet an der Entwicklung von neuen Finanzierungsmechanismen zum Waldschutz.
Avoided Deforestation Partners (AD-Partners)
AD Partners ist ein Netzwerk von Wissenschaftlern, Praktikern und Strategen, die sich zusammengetan haben, um positive marktbasierte und nicht-markbasierte Anreize zum Waldschutz in der amerikanischen und internationalen Wald- und Klimapolitik voranzutreiben. AD Partners veranstaltet Kongresse, veröffentlicht Publikationen und dient als Plattform für den Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren.
Die Katoomba Group ist ein Netzwerk von Experten und Praktikern mit dem Ziel, die Entwicklung von Ökosystem-Märkte zu fördern. Die Gruppe dient als Forum zum Gedankenaustausch und zur strategischen Information über aktuelle Entwicklungen und Transaktionen. Die Gruppe bietet regelmäßige Newsletter zu den allgemeinen Entwicklungen und spezifisch zu den Entwicklungen im tropischen Südamerika sowie im östlichen und südlichen Afrika an.
The Prince’s Rainforests Project (PRP)
The Prince’s Rainforests Project ist eine Initiative des Prince of Wales (Prinz Charles), deren Ziel es ist, über die Dringlichkeit von Regenwaldschutz aufzuklären und nach geeigneten Anreizmechanismen dafür zu suchen. Im Rahmen des Projektes wurde ein „Emergency Package“ [aktiver Link zum Dokument auf der rechten Seite] zur Finanzierung der Ausgleichszahlungen an Entwicklungsländer formuliert.
Das vom Global Canopy Programme veröffentlichte „Little REDD Book“, stellt die Vielzahl von Ansätzen zur Ausgestaltung von REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) in leicht verständlicher Übersicht vor. Das Buch ermöglicht den Vergleich zwischen den verschiedenen Vorschlägen und soll zur Konsensbildung beitragen.
Eliasch Review „Climate Change – Financing Global Forests“, 2008
Der von Johan Eliasch verfasste und vom britischen Office of Climate Change (OCC) unterstützte Eliasch Review „Climate Change – Financing Global Forests“ analysiert mögliche Finanzinstrumente und Mechanismen zur Verhinderung der Waldzerstörung und der damit einhergehenden Klimaerwärmung.
Tropical Deforestation Emission Reduction Mechanism (TDERM): A Discussion Paper
TDERM ist ein von Greenpeace im Jahr 2008 zur Diskussion gestellter Finanzierungsmechanismus für REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation). Er kombiniert eine eingeschränkte Anbindung an den internationalen Emissionshandel mit fondsähnlichen Verteilungsmechanismen.
An Emergency Package for Tropical Forests, März 2009
Der vom Prince’s Rainforests Project initiierte Plan zur “Soforthilfe für den Regenwald” soll das Ausmaß der tropischen Entwaldung kurzfristig erheblich reduzieren, indem den betroffenen Ländern geholfen wird, einen alternativen, CO2-armen Kurs der Wirtschaftsentwicklung einzuschlagen. Innovative öffentlich-private Partnerschaften in Industrieländern sollen die erforderlichen Geldmittel einbringen. Die Vorschläge ergänzen die Klimaschutzmechanismen, die derzeit im Zusammenhang mit der
Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) verhandelt werden, und sollen die Finanzierungslücke bis zum Inkrafttreten einer umfassenden internationalen Regelung überbrücken.
Deutsche Zusammenfassung des Berichts