Nachhaltige Forstwirtschaft hat fast 300 Jahre Tradition
Nachhaltigkeit und Forstwirtschaft hängen eng miteinander zusammen. Der Begriff der Nachhaltigkeit selbst wurde 1713 erstmals in einem forstwirtschaftlichen Lehrbuch in Deutschland verwendet. Ziel des Konzepts der nachhaltigen Forstwirtschaft ist es bis heute, das Ökosystem Wald so zu nutzen, dass seine wesentlichen Funktionen erhalten bleiben. Stand jedoch damals im Mittelpunkt, den Wäldern nur so viel Holz zu entnehmen wie natürlich nachwächst, so wurde das Konzept in der Zwischenzeit um wesentliche Punkte erweitert. Der moderne Begriff einer nachhaltigen Holzwirtschaft verbietet Kahlschläge und Chemieeinsätze, beschränkt die Holzernte im Allgemeinen auf bereits genutzte Wälder oder Aufforstungen und schließt die noch verbliebenen Urwälder von der Nutzung aus. Nachhaltige Forstwirtschaft in ihrer modernen Variante beinhaltet auch eine soziale und ökonomische Komponente, d.h. die ansässige Bevölkerung muss an der Wertschöpfung beteiligt werden und ihrer selbst gewählten Lebensweise nachgehen können.
Holzzertifizierung stellt nachhaltige Forstwirtschaft sicher
In Folge der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro entwickelten die europäischen Staaten die so genannten Helsinki-Kriterien für eine nachhaltige, umweltverträgliche Waldbewirtschaftung. Sie messen dem Schutz des Waldes als Ökosystem mit seiner Bedeutung für Artenvielfalt, Boden-, Wasser- und Klimaqualität vorrangige Bedeutung zu. Seitdem hat die Diskussion über die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder eine vorher nie bekannte Intensität erlangt und Eingang in die entwicklungspolitische Diskussion genommen. Ein zentrales Element für die nachhaltige Forstwirtschaft ist die Holz-Zertifizierung. Die Zertifizierung bezeichnet den Prozess, in dem sich Holzhändler, Umweltschützer, Anwohner und andere Anspruchsgruppen auf verbindliche Kriterien für die Waldnutzung einigen. Arbeitet ein Forstbetrieb nach diesen Regeln, erhält er ein Zertifikat, das seinen Kunden die nachhaltige Produktionsweise garantiert. Verbraucher, die sich für diese Produkte entscheiden, steigern die Nachfrage und damit den Anreiz für eine verantwortungsvolle Waldnutzung. Die zwei bedeutendsten und anerkanntesten Zertifizierungsysteme für Holz sind der Forest Stewardship Council (FSC) und Pan European Forest Certification (PEFC).
Artikel: Nachhaltige Forstwirtschaft und Zertifizierungssysteme
Autoren: Georg Schattney und Juliane von Stockhausen
© Business Communications Consulting, Frankfurt
Folgende Webseiten und Institutionen bieten Ihnen mehr Information zum Themenkreis nachhaltige Forstwirtschaft & Zertifizierungssysteme für Holz:
Pan European Forest Certfication (PEFC)
Das Zertifizierungssystem für nachhaltige Forstwirtschaft PEFC wurde im Jahr 1999 gegründet. PEFC bildet den Rahmen für die gegenseitige Anerkennung glaubwürdiger nationaler oder regionaler Zertifizierungssysteme und –initiativen, die den Anforderungen nachhaltiger Forstwirtschaft entsprechen. Mehr als 47 Millionen Hektar Wald sind derzeit PEFC-zertifiziert. Damit ist PEFC das vorherrschende Zertifizierungssystem in Europa.
Forest Stewardship Council (FSC)
Der Forest Stewardship Council (FSC) wurde im Jahr 1993 gegründet. Der FSC verfolgt das Ziel, auf der ganzen Welt eine umweltgerechte, sozialverträgliche und wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftung der Wälder zu fördern. Der FSC organisiert ein internationales Auszeichnungssystem für forstwirtschaftliche Produkte, das viele große Beschaffungsunternehmen in Nordamerika und Europa mittlerweile verlangen. Alle forstwirtschaftlichen Produkte, die das FSC-Logo tragen, stammen nachweislich aus Wäldern, die den international anerkannten Prinzipien und Kriterien des FSC entsprechen
Institut für Weltforstwirtschaft am Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI)
Das Institut für Weltforstwirtschaft des Johann Heinrich von Thünen-Institutes (vTI) leistet wissenschaftliche Beiträge, um Kenntnislücken hinsichtlich der Wechselwirkungen von waldökologischen Prozessen, Umwelteinflüssen und Nutzungseingriffen insbesondere auf internationaler Ebene zu schließen, Strategien zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu entwickeln und der Politik wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfen bereitzustellen.
Institut für Holztechnologie und Holzbiologie am Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI)
Das Institut für Holztechnologie und Holzbiologie betreut eine der weltweit größten Holzsammlungen mit rund 26.000 Mustern und 50.000 mikroskopischen Präparaten. Die genaue Bestimmung der Hölzer ist eine unerlässliche Voraussetzung für die Kontrolle international gehandelter Hölzer. Nur durch eine korrekte Bestimmung kann sichergestellt werden, ob es sich auch wirklich um zertifiziertes Holz handelt.
Insgesamt 24 Forschungsverbünde mit weit über 300 Wissenschaftlern gehören dem Förderschwerpunkt „Nachhaltige Waldwirtschaft“ an, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Zeitraum 2005 bis 2009 mit insgesamt 24 Millionen Euro finanziert hat. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Internationalisierung der Märkte sowie globaler Umweltprobleme unterstützt das Programm die Vernetzung der deutschen Wald- und Holzforschung mit europäischen Aktivitäten.
Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) ist die politische Stimme der Forstwirtschaft in Deutschland. Er spricht im Namen von rund 2 Millionen privaten und öffentlichen Waldbesitzern,
Informationsportal Infoholz.de
Das Informationsportal „infoholz.de“ wird vom Holzabsatzfonds betrieben. Der Holzabsatzfonds ist die zentrale Informationseinrichtung der deutschen Forst- und Holzwirtschaft. Das Portal bietet einen guten Überblick über die Holz und Forstbranche, entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auch übergeordnete Themen wie Wald und Klima und nachhaltige Forstwirtschaft werden beleuchtet. Links und Adressen helfen bei der Suche nach weiterführenden Informationen und Ansprechpartnern.